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05.02.2021, 11:15 Uhr
Finanziell und emotional an der Grenze
 Wietzendorf. Das Thema Wolf ist in aller Munde – besonders die Weidetierhalter haben Angst um ihre Tiere und befürchten Übergriffe, wie sie im Raum Wietzendorf immer wieder vorkommen. Das war Anlass für eine, von der CDU-Landtagsabgeordneten Gudrun Pieper initiierte, Gesprächsrunde auf dem Hof von Heinrich Witthöft in Wietzendorf. Mit von der Partie waren unter anderem CDU-Landtagsabgeordneter und Agrarausschussmitglied Dr. Frank Schmädeke aus Nienburg, Wietzendorfs Bürgermeister Jörg Peters sowie Stephan Johanshon, (Geschäftsführer der Landesjägerschaft) und Mathias Brockop (Landwirtschaftskammer Nds.).

 „Viele Nutztierhalter denken mittlerweile ans Aufhören“, berichtete Heinrich Witthöft. „Jeder Wolfsriss ist für uns nicht nur finanziell, sondern auch emotional eine große Belastungsprobe, denn wir hängen alle an unseren Tieren. Sie sind schließlich Familienmitglieder und den Anblick von gerissenen Tieren vergisst keiner so schnell.“ Der Landwirt informierte die Besucher an dieser Stelle über den Wolfsschutzzaum, den er nach den neusten Richtlinien, errichten ließ. Alle Teilnehmer waren sich einig, dass dieser Elektrozaun zwar ein guter Ansatz sei, aber nur eine Teillösung sein könne. Mathias Brockop verwies darauf, dass eine Zaunhöhe von 120 cm eine max. zumutbare Belastung für die Schafhaltung darstellt. Sehr engmaschige und hohe Zäune versperren auch vielen Wildtieren den Durchgang. Man dürfe dabei nicht vergessen, dass Weidetiere sowohl einen wichtigen Beitrag zur Landschaftspflege leisten, als auch zur Artenvielfalt beitragen. Witthöft und andere Landwirte fürchten um das Ende der Weidetierhaltung, falls sich die bisherige Entwicklung fortsetze: „Der einzig wirksame Schutz ist eine reine Stallhaltung. Doch die ist nicht tiergerecht und daher keine Option.“Die beiden Abgeordneten sehen in der immer wieder geforderten flächendeckenden Zäunung mit „monumentalen“, wolfsabweisenden Zäunen keine praktikable Lösung für das Problem mit dem Wolf. Deshalb dürfe die Bestandskontrolle durch Abschuss kein Tabuthema mehr sein, lautete ihr Standpunkt. „Der Wolf ist da. Wir müssen von einer Koexistenz ausgehen und mit Problemen rechnen. Doch es muss gewisse Grenzen geben.“

Bürgermeister Peters ergänzte: „Die Tatsache, dass Wölfe bei uns in Wietzendorf in bewohntes Gebiet eindringen, ist ein sehr ernstes Problem. Bei Futtermangel, Jungtieren im Rudel oder Krankheiten, muss man damit rechnen, dass sie auch Kinder oder Kleintiere angreifen können.“ Besorgte Bürgerinnen und Bürger trauten sich bereits jetzt nicht mehr in den Wald und ließen ihre Kinder nicht mehr alleine auf dem Hof spielen. Wietzendorf sei außerdem ein anerkannter Erholungsort, der auch vom Tourismus lebe. Dass dürfe nicht außer Acht gelassen werden. Gudrun Pieper und Dr. Frank Schmädeke verdeutlichten, dass der Entschließungsantrag zur Aufnahme des Wolfs in das Jagdrecht nach wie vor diskutiert werde. Beide gehen davon aus, dass der Wolf mit der nun anstehenden Jagdrechtsnovelle ins Landesjagdrecht aufgenommen wird.

 „Wir brauchen ein vernünftiges Wolfsmanagement!“, betonte Dr. Frank Schmädeke. „Da ist vor allem Umweltministerin Svenja Schulze (SPD) gefordert den guten Erhaltungszustand, den wir hier ganz sicher haben, auch anzuerkennen. Dann ist auch das oft als Gegenargument zitierte EU-Recht kein Problem, das Wölfen einen besonderem Schutzstatus zuweist“. Wäre der gute Erhaltungszustand festgestellt, stünde eine Gesetzesänderung nicht im Widerspruch zum EU-Recht. Aktuell müsse man sich fragen, ob dieser Schutzstatus bei ca. 400 Tieren alleine in Niedersachsen immer noch begründet sei. „Berlin muss handeln“ so Schmädeke und Pieper. Die Unentschlossenheit des Umweltministeriums sei eine Katastrophe für die betroffenen Weidetierhalter.  Eine Bestandsregulierung durch ein gutes Wolfsmangement sei dringend notwendig. „Kein Mensch will den Wolf wieder ausrotten“, so der allgemeine Konsens. „Doch die Wolfsbefürworter sprechen immer vom Schutz der Wölfe. Aber was ist mit dem Schutz der Weidetiere und des Menschen – zählt der nicht?“ 

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