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22.07.2020, 19:28 Uhr
Der Vereinsamung entgegenwirken

Dorfmark. Um sich ein Bild über die aktuelle Situation in der Pflege zu machen, besuchte CDU-Landtagsabgeordnete Gudrun Pieper im Rahmen ihrer Sommertour das Seniorenheim Doreafamilie in Dorfmark. Begleitet wurde sie von der Gemeindeverbandsvorsitzenden Wiebke Ehlers und Ortsvorsteher Rainer Arndt.

 Einrichtungsleiter Morad Bounoua und Pflegedienstleiter Andreas Bähr zeigten sich im Gespräch zufrieden mit der derzeitigen Lage. Klagen über einen Pflegenotstand konnten die Gäste nicht vernehmen. Stattdessen trafen sie auf einen engagierten Leiter, der viel Positives aus seinem Haus zu berichten wusste.
Ein Fachkräftemangel sei zwar vorhanden, doch vor Ort sei dieser nicht spürbar. Es gebe viele Anfragen und man sei insgesamt gut aufgestellt.
Das 2015 gegründete Unternehmen Dorea mit Hauptsitz in Berlin führt insgesamt 75 stationäre Pflegeeinrichtungen in Deutschland, der Großteil davon befindet sich in Niedersachsen und Hessen. Seit Mitte 2017 gehört auch der ehemalige Landratenhof zur Doreafamilie. „Seitdem ist hier viel passiert. Wir haben ein ganz neues Team auf die Beine gestellt und einige alte Strukturen verändert“, erklärte Morad Bounoua. Die 76 Einzelzimmer sind alle voll belegt. Doppelzimmer wurden gänzlich abgeschafft. „Auf unserer Warteliste stehen bereits über 50 Personen. Das bestärkt uns darin, dass wir auf dem richtigen Weg sind“, so Bounoua weiter. Der ehemalige Profifußballer von Eintracht Frankfurt hat sich nach dem Ende seiner Karriere ein neues Betätigungsfeld gesucht und erfährt jetzt viel Dankbarkeit von den Bewohnern: „Man bekommt unglaublich viel zurück. Für jede noch so kleine Unterstützung hört man ein Danke. Wenn man abends nach Hause kommt, weiß man, man hat Gutes getan und Menschen glücklich gemacht.“ Angesprochen auf das Besuchsverbot durch die Corona-Pandemie, berichtete Andreas Bähr, dass man trotz allem versuche von Fall zu Fall zu gucken. Einer alten Dame, deren sehnlichster Wunsch es war das Grab ihres verstorbenen Mannes zu besuchen und ein Gespräch mit dem Pastor zu führen, wurde dies ermöglicht. Die Feier eines, vielleicht letzten, Geburtstags mit der ganzen Familie wurde im Garten abgehalten. „Manchmal ist es eine Gradwanderung, aber es ist wichtig, dass wir der Vereinsamung entgegensteuern“, macht der Pflegedienstleiter deutlich.
Ein weiteres Thema waren die Pflegeentgelte. In keinem anderen westdeutschen Bundesland müssten vollstationäre Pflegeeinrichtungen mit so niedrigen Pflegesätzen auskommen wie in Niedersachsen. Gudrun Pieper wies darauf hin, dass diese vor einigen Jahren bereits angepasst wurden. Allerdings entsprächen sie immer noch nicht dem Bundesdurchschnitt. „Hier muss eine Anpassung erfolgen. Die Frage, die man sich stellen muss lautet: Was ist uns Pflege wert?“, machte die Abgeordnete deutlich. Die Gesprächspartner waren sich einig, dass der Pflegeberuf durch die Pandemie erstmals öffentlich eine Wertschätzung erfahren habe. Hier müsse man anknüpfen, indem man die Anerkennung und Attraktivität langfristig erhöhe. Der einmalig gezahlte Corona-Bonus könne keine nachhaltigen Verbesserungen bewirken. Gudrun Pieper brachte es auf den Punkt: „Wir brauchen mehr Pflegefachkräfte, eine bessere finanzielle Anerkennung sowie genügend bedarfsgerechte und gut ausgestattete Angebote. Schon Morgen kann jeder von uns auf Pflege angewiesen sein." 

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