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29.10.2018, 09:01 Uhr
Arbeitskreis Landwirtschaft zu Besuch in Walsrode
Walsrode. Gemeinsam geht es besser und effizienter. Das ist einer der Leitsätze für genossenschaftliches wirtschaften. Genossenschaftliche Unternehmen finden sich in vielen verschiedenen Branchen. Um ihre Bedeutung für Wirtschaft und Gesellschaft näher in Augenschein zu nehmen, bereisten die Mitglieder des Arbeitskreises Landwirtschaft der CDU-Landtagsfraktion Walsrode. Die hiesige Landtagsabgeordnete Gudrun Pieper stellte ihren Kollegen Helmut Dammann-Tamke, Dr. Marco Mohrmann und Dr. Frank Schmädeke zwei genossenschaftliche Formen vor: Die Viehvermarktung Walsrode-Visselhövede eG und die Kirchboitzer Zukunft eG.
Die Viehvermarktung Walsrode eG handelt pro Jahr mit rund 1 Million Nutz- und Schlachttieren. „Das Tierwohl hat bei uns einen sehr hohen Stellenwert“, machte Vorstandsvorsitzender Martin Lüking deutlich. „Dabei stehen wir Tag für Tag vor großen Herausforderungen: Andere Anforderungen aufgrund des gesellschaftlichen Wandels, Tierwohl, Transporte und Transportzeiten“, nannte Geschäftsführer Wilhelm Behrens eine Auswahl.
Walsrode liegt im Zentrum Niedersachsens, doch durch die Schließung des Schlachthofes in Zeven müssen nun deutlich weitere Wege gefahren werden. Das hat der Viehvermarktung und ihren Mitarbeitern neue Herausforderungen beschert. Behrens: „Das Tierwohl liegt uns sehr am Herzen, doch wir müssen als Unternehmen auch die Wirtschaftlichkeit beachten. Häufige Staus auf den Autobahnen und Wartezeiten vor Schlachthöfen können wir nicht beeinflussen, bringen aber mitunter Konflikte mit den gesetzlich vorgeschriebenen Lenk- und Ruhezeiten. Dazu kommt, dass es immer schwieriger wird, gut ausgebildete Kraftfahrer und -fahrerinnen zu finden.“
Allein die Wartezeiten sind für die LKW-Fahrer nicht nur häufig kräftezehrend, sondern sie bringen auch zusätzliche Verantwortung mit sich: „Die Fahrer müssen die gesetzlichen Rahmenbedingungen zu Ruhe- und Lenkzeiten einhalten und müssen regelmäßig entscheiden, ob sie Tiere in Zwischenstationen unterbringen, um ihnen Ruhe zu gewähren und Wasser zur Verfügung zu stellen, um nicht gegen Recht und Gesetz zu verstoßen“, berichtet Geschäftsführer Wilhelm Behrens. Da Stand- und Ladezeiten per Gesetz nicht als Ruhezeiten für den Fahrer gelten, könne bereits eine kurze Transportstrecke für den Transporteur zu einer „Tagesreise“ werden. Hinzu kommen verschärfte Bedingungen durch die Tierschutztransportverordnung. Höhere Schlachtgewichte sind die Ursache dafür, dass Fahrer im Hinblick auf die Anzahl geladener Schlachtschweine in einen Konflikt geraten: Sie sind hier auf die Angaben der Landwirte angewiesen und tragen dennoch die Verantwortung dafür, dass die Verordnung eingehalten wird. „Die Tierschutztransportverordnung ist unter heutigen Gesichtspunkten nicht mehr zeitgemäß und so für uns schwer praktikabel“, stellte Lüking klar. Darüber hinaus würde es zunehmend schwieriger, unter diesen Bedingungen qualifizierte Fahrer und Fahrerinnen zu finden. Die mangelnde Akzeptanz der Arbeit in der Bevölkerung tue ihr Übriges. Deshalb versuchen Behrens und sein Team, mit vermehrter Öffentlichkeitsarbeit, gezielt entgegenzuwirken.
Bereits vor einigen Jahren wurde, gemeinsam mit anderen Erzeugergemeinschaften, die Tierschutzagentur eG (TIGA) ins Leben gerufen, die in regelmäßigen Abständen in den landwirtschaftlichen Betrieben Gesundheits- und Betriebsscreenings im Bereich Ferkelerzeugung durchführt. Die Ergebnisse werden transparent für Vermarkter und Mäster in einer Datenbank gespeichert. Sie enthält beispielsweise Informationen über Fütterung und Medikamentengabe. „So haben wir deutschlandweit erstmalig einen gemeinsamen Tiergesundheitsstandard der Ferkelgesundheit etabliert“, berichtete Behrens.
Dass die Viehvermarktung Walsrode-Visselhövede in vielen Bereichen neue Maßstäbe setzt, zeigte ein Film, den die Gäste gemeinsam anschauten. Dieser erklärt die Studie „Tiergerechte Schweinefütterung und die Bedeutung von ballaststoffreichem Getreide“. Die in Kooperation mit der Tierärztlichen Hochschule Hannover, durchgeführte Studie untersucht die Möglichkeit, Tierwohl und -gesundheit durch die Fütterung hoher Roggenanteile zu fördern. Mit Erfolg, denn erste Resultate beweisen, dass sowohl der Ebergeruch, als auch die Salmonellenbelastung in den Ställen signifikant reduziert werden. „Die Schweine sind gesättigt und dadurch ruhiger, ohne dass die Leistung beeinträchtigt wird“, ergänzte Behrens die Ergebnisse.
Die Viehvermarktung investiert kontinuierlich und derzeit besonders in hohe Hygienestandards. So soll noch im Dezember der Bau einer neuen, 15 mal 25 Meter großen Waschhalle eigens für Nutztiertransporte im Gewerbegebiet Große Schneede fertiggestellt werden. Die Politiker zeigten sich sehr beeindruckt von den Leistungen der örtlichen Genossenschaft. „Die Viehvermarktung Walsrode-Visselhövede eG ist ein wichtiger starker Partner der Landwirtschaft und steht auf ganzer Linie für Qualität, Vertrauen und Sicherheit. Sie hat es geschafft, den Strukturwandel durch Fusionen abzufedern und ist dabei gewachsen“, machten Pieper und der stellvertretende Fraktionsvorsitzende und Arbeitskreissprecher Dammann-Tamke deutlich.

Im weiteren Verlauf besuchte die Gruppe ein Projekt, das auch überregional auf großes Interesse stößt: die Gründung der Kirchboitzer Zukunft eG zur Rettung des Domkreugers in Kirchboitzen. Mitinitiator und Vorstandsmitglied Torsten Söder begrüßte die Abgeordneten und stellte die Besonderheit dieser Genossenschaft heraus. 100 Anteilseigner beteiligten sich mit je 2.500 Euro, um eine Möglichkeit zu finden, das Hotel und Restaurant „Zum Domkreuger" als Ortsmittelpunkt zu erhalten. Die Mühen haben sich bekanntlich gelohnt. Nach aufwendiger, oft in Eigenleistung erbrachter, Renovierung und Sanierung konnten die neuen Pächter am 1. Mai Eröffnung feiern. Söder machte deutlich, dass nur mit Hilfe der starken Dorfgemeinschaft und ihres unermüdlichen Einsatzes ein solches Projekt möglich war. Nach der neuen Elektrik, der modernen Küche und der Komplettsanierung des Saals, steht noch die Fertigstellung der Außenanlagen an. In Zusammenarbeit mit der Kirche werden hinter dem Haus etliche befestigte Parkplätze und eine Terrasse angelegt. Zudem sind barrierefreie Sanitäranlagen sowie Eingang geplant.
Der stellvertretende Fraktionsvorsitzende für den Bereich Landwirtschaft, Dammann-Tamke, brachte es zum Abschluss des Besuchs im Namen aller Abgeordneten auf den Punkt: „Die Leistung, die hier in kürzester Zeit erbracht wurde, ist bemerkenswert, vor allem, wenn man bedenkt, dass Kirchboitzen nur 680 Einwohner hat und die Genossen keine Vorteile aus ihren gekauften Anteilen ziehen können – außer dem Erhalt der Gaststätte. Sie können wirklich stolz auf diese Dorfgemeinschaft sein.“

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