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04.07.2017, 19:11 Uhr
Verlierer der Inklusion auf der Warteliste
Hodenhagen. Auf Einladung der Landtagsabgeordneten Gudrun Pieper und des CDU-Samtgemeindeverbands Ahlden fand eine Diskussionsrunde zur Inklusion statt. Intensiv wurde mit Schulleitern der hiesigen Grund- und Förderschulen in der Grundschule Hodenhagen über die Umsetzung der Inklusion und den Erhalt der Förderschulen diskutiert.
Sowohl die Schulleiter als auch die Vertreter der Politik waren sich einig: Kinder mit Behinderungen oder Beeinträchtigungen sind auf besondere Unterstützung angewiesen. Dabei sei die Inklusion an den Schulen ein erstrebenswertes Ziel. Entscheidend sei jedoch, dass jeder Schüler, unabhängig vom Lernort, eine fachlich fundierte Förderung erhalte. Frau Rühmkorf, Schulleiterin der Grundschule Hodenhagen, erläuterte, dass eine gelungene Inklusion bereits an den Rahmenbedingungen scheitere. „Es fehlen in den Klassen Lehrer, die ausgebildet sind behinderte und nichtbehinderte Kinder gleichzeitig zu unterrichten und zu fördern. Die Auflösung von Förderschulen ist ein fataler Schritt, unter dem gerade behinderte Kinder leiden müssen. Sonderpädagogen können das mit ihren begrenzten Stunden nicht stemmen“, weiß die Schulleiterin aus eigener Erfahrung. „Schon jetzt müssen wir unsere Standards herunterschrauben, da sie von den Schülerinnen und Schülern sonst nicht mehr bewältigt werden können“, ergänzt sie. Dadurch werde es schwieriger gleichzeitig die sehr schwachen und die sehr starken Schüler zu erreichen. Dem gerecht zu werden stelle die Lehrer vor immer größere Herausforderungen.
Schulleiter Burkhard Will berichtete, dass die Förderschule in Schwarmstedt nach wie vor sehr gefragt ist. Momentan habe er sogar 10 Schüler auf seiner Warteliste. „Diese ,Inklusionsverlierer‘ machen deutlich, dass der Besuch einer Förderschule für manche Kinder und Jugendliche weiterhin der richtige Bildungsweg ist “,so Will. Ein Pluspunkt sei die optimale Kooperation mit der KGS Schwarmstedt: „Wir haben an unserer Förderschule ein kleines beschütztes System mit ca. 10 Schülern pro Klasse. Wenn die Schüler dazu bereit sind, dann haben sie aber die Möglichkeit an der KGS auszuprobieren, ob der Unterricht im großen Rahmen für sie infrage kommt.“
Gudrun Pieper stimmte zu, dass Eltern mit ihren Kindern selbst entscheiden sollten, welche Schulform die Beste für sie ist. Damit eine echte Wahlfreiheit gewährleistet sei, sei der Erhalt der Förderschulen neben den Inklusionsklassen an Regelschulen unabdingbar. Denn jeder Schüler, mit seinen Stärken und Schwächen, habe eine gleichwertige Teilhabe an der Gesellschaft verdient. „Es braucht bessere Konzepte, mehr Flexibilität und vor allem mehr Personal. Das wird mehr Geld kosten. Doch es scheint der einzige Weg zu sein, um Inklusion zu bewältigen, denn eine komplette Rückkehr zum alten System wird nicht mehr möglich sein“, so Pieper.
Auch über die Notwendigkeit eines Schulbegleiters wurde kontrovers diskutiert. Florian Lies, Schulleiter der Pestalozzi-Schule in Walsrode, sieht die Schulbegleiter einerseits eher als Lückenfüller bei Kindern mit Verhaltensauffälligkeiten, die einen effektiven Lernprozess verhindern, indem sie die Kinder „doppelt besonders“ machen. Andere Schulleiter würden andererseits eine feste Anzahl an Schulbegleitern an jeder Schule begrüßen, um die Betreuung der Kinder in den Klassen abzusichern. Einigkeit bestand darin, dass Schulbegleiter dem Kind nur für eine befristete Zeit zugeteilt werden sollten, um die freie Entfaltung nicht zu behindern.
„Mit ihrem hohen Engagement und der verantwortungsvollen Wahrnehmung ihrer Aufgaben leisten die Förderschulen einen großen und wertvollen Beitrag für die Entwicklung der Kinder“, würdigt Gudrun Pieper die Arbeit der Lehrerinnen und Lehrer an den Förderschulen. Die Abschaffung der Förderschulen, sei ein Schlag in das Gesicht von Schülern, Eltern und Lehrkräften. Die CDU werde daher auch weiterhin die Arbeit an den Förderschulen zum Wohle der betroffenen Kinder und Eltern nachdrücklich unterstützen. Pieper versicherte, dass die CDU im Falle eines Wahlsieges bei der Landtagswahl im Januar 2018 die Förderschule Lernen erhalten werde, um den Eltern die volle Entscheidungsmöglichkeit zwischen inklusiver Beschulung vor Ort oder im geschützten Rahmen der Förderschule zu lassen. „Es ist immer gut, direkt von den Fachleuten vor Ort zu erfahren, ob man sich auf dem richtigen Weg befindet. Diese Anregungen nehme ich für die weiteren Beratungen nach Hannover mit“, erklärt die Landtagsabgeordnete. Die CDU-Fraktion im Niedersächsischen Landtag hat einen Gesetzentwurf vorgelegt, der den Erhalt der Förderschule Lernen fordert. Durch das Gesetz soll sichergestellt werden, dass die Förderschulen Lernen im Sekundarbereich I mit Beginn des Schuljahrs 2017/2018 weiterhin Schülerinnen und Schüler im Schuljahrgang 5 aufnehmen. Das vorgesehene Auslaufen der Förderschule Lernen im Sekundarbereich I wird damit gestoppt.

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